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„Nach der Korrektur sehen wir im Halbleitersektor wieder Kurspotenzial“
Nach einer turbulenten Sommerphase an den Halbleiter- und KI-Märkten ordnet Thomas Bayreuther, der gemeinsam mit seinem Team den High Conviction Fonds verantwortet, die aktuelle Lage ein. Im Gespräch erläutert er die Positionierung des Fonds, die Hintergründe der jüngsten Kursschwankungen und erklärt, warum er insbesondere im Halbleitersektor nach der jüngsten Korrektur wieder deutliches Aufwärtspotenzial sieht.
Frage: Herr Bayreuther, der Halbleitersektor hat im Juli eine deutliche Korrektur durchlaufen. Wie ordnen Sie die aktuelle Marktlage ein?
Thomas Bayreuther: Die Korrektur war nach der sehr starken Kursentwicklung der vergangenen Monate zunächst einmal nicht überraschend. Entscheidend ist für uns aber die Frage, ob sich mit den Kursen auch die fundamentalen Wachstumsperspektiven verändert haben. Das sehen wir aktuell nicht. Die jüngste Schwäche wurde aus unserer Sicht vor allem von Sorgen über die Finanzierung und die Wirtschaftlichkeit der sehr hohen KI-Investitionen getrieben. Das ist ein berechtigter Diskussionspunkt, aber etwas anderes als eine nachlassende Nachfrage nach Halbleitern und KI-Infrastruktur. Wir sehen weiterhin eine sehr dynamische Umsatz- und Gewinnentwicklung in wesentlichen Teilen des Halbleitersektors. Gleichzeitig haben die Aktienkurse zuletzt deutlich korrigiert. Genau diese Kombination ist für uns interessant: Die fundamentalen Erwartungen steigen weiter, während die Bewertungen in einzelnen Bereichen wieder deutlich moderater geworden sind. Deshalb halten wir den Halbleitersektor aktuell für unterbewertet. Nach der erfolgten Korrektur sehen wir hier aus heutiger Sicht ein erhebliches Kurspotenzial. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass die Kurse kurzfristig geradlinig steigen werden. Weitere Rückschläge und eine hohe Volatilität sind jederzeit möglich. Unser Anlagehorizont ist jedoch längerfristig, und auf diesem Zeithorizont überwiegen für uns derzeit die Chancen.
Frage: Wie ist der High Conviction Fonds aktuell aufgestellt? Können Sie uns einen Überblick über die Branchenverteilung geben?
Thomas Bayreuther: Der Fonds ist zu hundert Prozent in Aktien investiert, ohne nennenswerten Rentenanteil oder eine strategische Kasseposition. Rund 42 Prozent des Fondsvermögens entfallen auf den klassischen Halbleitersektor. Dazu gehören unter anderem Speichertechnologie, Foundries und Halbleiterausrüster. Weitere knapp 19 Prozent sind in der KI-Infrastruktur im weiteren Sinne investiert, beispielsweise in Netzwerktechnik, Optoelektronik sowie Server- und Speicherhardware.
Rund 19 Prozent entfallen auf große Technologieplattformen, die selbst massiv in KI-Infrastruktur investieren. Etwa 8 Prozent sind dem Bereich Energieversorgung für Rechenzentren zuzuordnen. Die verbleibenden rund 12 Prozent verteilen sich auf weitere strukturelle Wachstumsthemen wie Cybersicherheit, Fintech und Mobilität. In den letzten Wochen haben wir zudem Positionen in der Optoelektronik aufgebaut. Ein Sektor, der hohe Wachstumsraten aufweist. Damit sind mehr als 60 Prozent des Fonds unmittelbar im Halbleiter- und KI-Infrastrukturkomplex investiert. Bezieht man die großen Technologieplattformen mit ihren erheblichen KI-Investitionen ein, liegt der Anteil bei rund 80 Prozent.
Aktuelle Branchenverteilung im Überblick
Frage: Angesichts der jüngsten Kursverluste bei Chip- und KI-Werten: Wäre es nicht ratsam, Gewinne mitzunehmen und die Positionierung zu reduzieren?
Thomas Bayreuther: Genau hier unterscheiden wir zwischen kurzfristiger Kursentwicklung und langfristiger fundamentaler Entwicklung. Wenn ein Sektor nach einer starken Rally korrigiert, ist die naheliegende Reaktion häufig, Risiko herauszunehmen. Für uns ist aber entscheidend, ob sich die Investmentthese verändert hat. Das ist aus unserer Sicht bislang nicht der Fall.
Wir sehen weiterhin einen strukturellen Investitionszyklus, der von mehreren Faktoren getragen wird: dem Ausbau von Rechenzentren, dem steigenden Bedarf an Rechenleistung, der zunehmenden Verbreitung generativer KI und der Integration von KI-Anwendungen in immer mehr Unternehmensprozesse. Hinzu kommt, dass sich die Ertragskraft wesentlicher Bereiche der Halbleiterindustrie deutlich verbessert. Umsätze und Gewinne wachsen in Teilen des Sektors weiterhin mit hoher Dynamik – und genau diese fundamentale Entwicklung wird aus unserer Sicht vom Aktienmarkt derzeit nicht vollständig reflektiert. Deshalb sehen wir die jüngste Korrektur nicht primär als Anlass, die strategische Positionierung zurückzufahren, sondern vielmehr als Normalisierung nach einer sehr starken Kursphase. Wir haben unsere Positionierung entsprechend nicht grundsätzlich reduziert und halten an unserer strategischen Ausrichtung fest und bauen einzelne Positionen im Fonds weiter auf.
Natürlich können auch aus unserer Sicht weitere Rücksetzer von 10 bis 20 Prozent oder mehr nicht ausgeschlossen werden. Eine solche Volatilität gehört zu einem konzentrierten Aktienfonds mit einem klaren Wachstumsschwerpunkt. Unsere Überzeugung beruht daher nicht auf der Erwartung einer kurzfristig geradlinigen Kursentwicklung, sondern auf der Einschätzung, dass die fundamentale Entwicklung des Sektors mittelfristig deutlich stärker sein kann als es die aktuelle Bewertung teilweise vermuten lässt. Diese Einschätzung bezieht sich auf die Anlagestrategie des Fonds und stellt ausdrücklich keine individuelle Empfehlung zum Kauf oder Verkauf einzelner Wertpapiere dar.
Frage: Was spricht aus Ihrer Sicht konkret dafür, dass der Halbleitersektor vor einer neuen Aufwärtsbewegung stehen könnte?
Thomas Bayreuther: Für uns kommen hier mehrere Faktoren zusammen. Erstens ist die Nachfrage nach Rechenleistung strukturell stark. Zweitens steigt die Komplexität der benötigten Infrastruktur, wodurch nicht nur klassische Prozessoren, sondern auch Speicher, Netzwerke, optische Komponenten, Fertigungstechnologien und die Energieversorgung von Rechenzentren profitieren. Drittens beobachten wir in wesentlichen Teilen der Wertschöpfungskette eine sehr hohe Visibilität bei den Umsätzen. Die Investitionen in Rechenzentren werden nicht kurzfristig wieder verschwinden, sondern sind Teil eines mehrjährigen Infrastrukturzyklus. Und viertens hat die jüngste Korrektur die Ausgangsbasis aus unserer Sicht verbessert. Wenn Gewinne und Umsätze weiter deutlich wachsen, während die Aktienkurse zurückkommen, kann dies aus unserer Sicht die Bewertung einzelner Unternehmen attraktiver erscheinen lassen. Genau das sehen wir derzeit in Teilen des Halbleitersektors. Deshalb ist der Sektor für uns aktuell eines der attraktivsten Segmente innerhalb des globalen Aktienmarktes.
Frage: Wie geht der Fonds mit der erhöhten Volatilität um?
Thomas Bayreuther: Wir versuchen nicht, kurzfristige Schwankungen vollständig zu vermeiden. Stattdessen steuern wir das Risiko über die Struktur des Portfolios. Wir sind bewusst über die gesamte Wertschöpfungskette aufgestellt – von Halbleiterausrüstern und Speichertechnologie über Foundries bis hin zu Netzwerktechnik, Server- und Infrastrukturkomponenten sowie der Energieversorgung von Rechenzentren. Dadurch sind wir nicht von der Entwicklung eines einzigen Teilsegments abhängig.
Gleichzeitig achten wir auf Unternehmen mit belastbaren Bilanzen und arbeiten ohne Leverage. Das reduziert bestimmte Risiken, schützt aber selbstverständlich nicht vor allgemeinen Marktkorrekturen. Kursschwankungen können deshalb weiterhin erheblich sein. Für uns sind sie aber grundsätzlich Bestandteil des Risikoprofils einer konzentrierten Wachstumsstrategie. Entscheidend ist, ob die fundamentale Entwicklung der Unternehmen und ihrer Märkte intakt bleibt.
Frage: Wie lautet Ihr Ausblick für die kommenden Wochen und Monate?
Thomas Bayreuther: Kurzfristig erwarten wir weiterhin eine erhöhte Volatilität. Der Markt wird sehr sensibel auf Aussagen zu den Investitionsbudgets der großen KI-Anwender, auf Konjunkturdaten und natürlich auf die kommenden Unternehmenszahlen reagieren. Mittelfristig sind wir deutlich konstruktiver. Wir sehen keinen abgeschlossenen KI-Investitionszyklus, sondern stehen aus unserer Sicht erst am Anfang einer mehrjährigen Transformation der Rechen- und Unternehmensinfrastruktur. Davon sollte insbesondere die Halbleiterindustrie profitieren.
Für uns ist daher weniger die Frage entscheidend, ob es im nächsten Monat fünf oder zehn Prozent nach oben oder unten geht. Entscheidend ist, ob die Gewinne und Umsätze über die kommenden Jahre weiter deutlich steigen. Wenn dies der Fall ist, halten wir die aktuelle Bewertung wesentlicher Bereiche des Halbleitersektors für attraktiv und sehen nach der jüngsten Korrektur erhebliches weiteres Kurspotenzial. Wir bleiben deshalb bei unserer strategischen Ausrichtung: Wir wollen nicht defensiver werden, nur weil die Kurse stärker schwanken. Solange die fundamentalen Wachstumstreiber intakt sind, sehen wir gerade im Halbleiter- und KI-Infrastrukturkomplex weiterhin überdurchschnittliche Chancen.
Thomas Bayreuther und sein Team bleiben damit ihrer langfristig orientierten, konzentrierten Anlagestrategie treu. Nach der jüngsten Korrektur sehen sie insbesondere im Halbleitersektor wieder ein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis und setzen weiterhin auf die strukturellen Wachstumstreiber rund um künstliche Intelligenz, Recheninfrastruktur und Halbleitertechnologie.
Die in diesem Interview enthaltenen Informationen dienen ausschließlich Informationszwecken und stellen weder eine Anlageberatung noch eine individuelle Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Die genannten Wertpapiere und Branchengewichtungen beziehen sich auf den Portfoliostand des High Conviction Fund per 31.07.2026 und können sich seither verändert haben. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse.
Bitte lesen Sie vor einer endgültigen Anlageentscheidung den Verkaufsprospekt und das Basisinformationsblatt (PRIIPs-KID) des High Conviction Fund. Diese Dokumente sind in deutscher Sprache kostenlos bei der HANSAINVEST Hanseatische Investment-GmbH sowie hier https://hansainvest.com/de/fonds/details/847 erhältlich. Eine Zusammenfassung der Anlegerrechte ist ebenfalls in deutscher Sprache auf der Internetseite der HANSAINVEST verfügbar. Die HANSAINVEST Hanseatische Investment-GmbH kann beschließen, die Vorkehrungen, die sie für den Vertrieb der Anteile getroffen hat, aufzuheben.