Die schleichende Geldentwertung

News-Teaser_April
23. April 2026

Vom Erkennen zum Handeln: 
Wie Sie Ihr Portfolio vor dem Kaufkraftverlust schützen!

Im ersten Teil unserer Reihe zu dem Thema „Debasement“ (Januarausgabe 2026 FOCAM Perspektive) haben wir gezeigt, warum steigende Staatsverschuldung, strukturelle Primärdefizite und expansive Geldpolitik langfristig zu Inflation und Geldentwertung führen.

Nun stellt sich die entscheidende Frage: Was bedeutet das konkret für die Portfoliokonstruktion und welche Anlagen schützen wirklich vor dem schleichenden Kaufkraftverlust?

Die Nominalwert-Falle: 
Warum vermeintlich sichere Anlagen gefährlich werden können?

Anleger, die auf die bewährte Sicherheit von Staatsanleihen, Tagesgeld oder Geldmarktfonds setzen, zahlen in Zeiten der Geldentwertung einen hohen Preis. Zwar suggeriert der Kontostand eine absolute Stabilität, doch in Wahrheit schmilzt der reale Wert des Kapitals systematisch ab.

Hintergrund ist aus unserer Sicht die hohe Verschuldung der Staaten: Der US-Dollar (USD) steht für eine Staatsverschuldung von über 120% des BIP, der japanische Yen (JPY) für eine Schuldenquote von rund 260% – die höchste aller Industriestaaten. In beiden Fällen ist das strukturelle Anreizsystem dasselbe: Realzinsen dauerhaft unter null zu halten, um die Schuldenlast real abzuschmelzen. Wer auf USD oder JPY lautende Anleihen hält, finanziert diesen Prozess unwissentlich mit. Da jedoch in vielen Euro-Ländern die Schuldenlast auch nicht wesentlich niedriger ist, gilt die gleiche Tendenz auch für auf Euro lautende Anlagen.

Der Blick in die Vergangenheit und was er über die Zukunft des Geldes verrät

Die Historie des US-Dollars ist ein Lehrstück der schleichenden Enteignung. Ein Gegenwert, der 1913 noch bei vollen 100 Dollar lag, ist heute auf rund 3,60 Dollar massiv gesunken. Wobei dieser Erosionsprozess anfangs noch moderat verlief und in den 1930er Jahren zeitweise gestoppt wurde. Zwischen 1913 und 1971 verlor der US-Dollar in 58 Jahren rund 72% seiner Kaufkraft. Mit dem Ende der Goldkonvertibilität 1971 (Ende des Bretton-Woods Systems) war der Übergang zum reinen, ungedeckten Papiergeld vollzogen. Der weitere Verfall der Kaufkraft nahm seinen Lauf.

Abbildung 1: Entwicklung der Kaufkraft des US-Dollars seit 1913
Quelle: Bureau of Labor Statistics, Federal Reserve Bank St. Louis, FOCAM AG, eigene Darstellung – 3.2026

100 US-Dollar aus dem Jahr 1971 besitzen heute lediglich noch eine Kaufkraft von rund 13 Dollar, ein Verfall um 87% in 54 Jahren. Der Verlauf dieser Entwertung liest sich wie ein Logbuch der modernen Geldpolitik. In den 1970er Jahren trieb die durch Ölkrisen und lockeres Geld ausgelöste Stagflation die Inflation auf bis zu 13,5 Prozent. Zwar konnte die Notenbank ab 1979 mit radikalen Leitzinsen von zeitweise 20 Prozent (Volcker-Disinflation) den Verfall bremsen, doch eine Trendwende blieb aus. Mit der Finanzkrise 2008 begann die Ära der quantitativen Lockerung, die die schleichende Geldentwertung nahtlos fortsetzte. Den steilsten Absturz der jüngeren Geschichte erlebten wir schließlich zwischen 2020 und 2022: Die beispiellose Ausweitung der Geldmenge um 25 Prozent infolge der Corona-Pandemie, verstärkt durch Störungen der globalen Lieferketten, ließ die Inflation auf 9,1 Prozent hochschnellen. Führt man sich vor Augen, dass die USA für den Iran-Krieg neue Schulden von 200 Mrd. US-Dollar aufnehmen, ist schwer vorstellbar, wie ein Ende der Schulden-Dynamik ist Sicht sein soll.

Kaufkraft-USD-1971_1
Abbildung 2: Entwicklung der Kaufkraft des US-Dollars seit 1971
Quelle: Bureau of Labor Statistics, Federal Reserve Bank St. Louis, FOCAM AG, eigene Darstellung – 3.2026

Die psychologische Falle: Nominale Stabilität als Illusion

Der Euro verliert kontinuierlich an Kaufkraft: Während der Nominalwert auf dem Konto gleichbleibt, sinkt der reale Gegenwert in Gütern und Dienstleistungen. Das verdeutlicht den Unterschied zwischen Preis und Wert.

Bargeld bietet Preisstabilität, unterliegt aber einem stetigen Wertverlust. Im Gegensatz dazu schwanken Sachwerte wie Aktien und Gold im Preis, erhalten oder steigern jedoch langfristig ihre Kaufkraft. Wer Vermögen sichern will, muss lernen, Preisschwankungen auszuhalten. Sie sind die notwendige Voraussetzung für echten Substanzerhalt.

Das Problem dabei: Der schwankende Preis wirkt für vielen Menschen abschreckend, so dass im ungünstigen Fall der Wille, die Substanz zu erhalten, in Krisenzeiten zusammenbricht.

Vom Denken in Nominalen zum Denken in Waren und Gütern

Daraus folgt eine klare Konsequenz für die Portfoliostruktur: Nominale Anlagen, also solche, deren Rückzahlung in einer festen Geldmenge vereinbart ist, sind im Debasement-Umfeld strukturell benachteiligt. Sachwerte hingegen, die einen realen Gegenwert verkörpern, erhalten die Kaufkraft langfristig. Welche Sachwerte für wen geeignet sich, kann jedoch sehr individuell sein. Die folgende Übersicht zeigt die Grundunterscheidung:

Abbildung 3: Nominale Anlagen vs. Tangible Assets – Einordnung im Debasement-Umfeld
Quelle: FOCAM AG, eigene Darstellung

Sachwerte im Fokus: Die Aktienauswahl im Umfeld finanzieller Repression

Der Aktienmarkt wird oft pauschal als sicherer Hafen gegen Inflation gefeiert, doch diese Annahme ist gefährlich. Die wahre Trennlinie im Entwertungsumfeld verläuft nicht zwischen Anlageklassen, sondern zwischen Unternehmen mit und ohne Preissetzungsmacht. Nur wer in der Lage ist, steigende Produktions- und Materialkosten nahtlos an seine Kunden weiterzugeben, schützt das investierte Kapital. Dabei wird häufig von „Qualitätsaktien“ gesprochen. Wir wollen das genauer definieren: Es sind Unternehmen, die sich durch starke Marken, überdurchschnittliche Margen und eine unelastische Nachfrage auszeichnen. Gerade jetzt kann man diese Unternehmen gut identifizieren. Es sind Unternehmen, die ihre höheren Kosten auch in der jetzigen Zeit in höhere Preise übersetzen können, ohne dass ihnen die Kunden weglaufen.

Wer nach diesen Unternehmen sucht, muss nur seinen eigenen Alltag aufmerksam betrachten. Die einfachste Frage lautet: Worüber wundere oder gar ärgere ich mich, wenn ich Rechnungen bezahle, die gegenüber dem letzten Quartal oder dem letzten Jahr, im Preis gestiegen sind?

Diese Beobachtung ist kein Zufall. Denn wer Preise dauerhaft erhöhen kann, ohne dass die Kunden abwandern, besitzt genau die Preissetzungsmacht, die Investoren in Zeiten von Geldentwertung suchen. Hier einige Beispiele:

Energie: Benzin, Heizöl, Strom, kaum jemand kann darauf verzichten, und kaum jemand freut sich über die Abrechnung. Energieunternehmen, insbesondere im Bereich Öl, Gas und Infrastruktur, gehören zu den klassischen Debasement-Profiteuren. Sie verkaufen eine Ressource, die endlich und deren Nachfrage ist in der Regel unelastisch ist.

Telekommunikation und Infrastruktur: Telekommunikationsunternehmen mit starker Marktstellung und ausgebautem Netz profitieren von einer Kundenbasis, die kaum wechselt. Ähnliches gilt für Infrastrukturbetreiber – Mautstraßen, Flughäfen, Versorgungsnetze. Sie besitzen reale Vermögenswerte, deren Wert tendenziell mit der Inflation steigt. Selbst die beste künstliche Intelligenz wird nicht den Wunsch ersetzen, in den Urlaub zu fliegen.

Lebensmittel und Konsumgüter des täglichen Bedarfs: Der Wocheneinkauf wird teurer, die Produkte bleiben dieselben. Unternehmen, die Marken besitzen, nach denen Konsumenten greifen, ohne lange nachzudenken, können Preiserhöhungen weitergeben. Der entscheidende Unterschied liegt in der Marke. Nicht jeder Hersteller kann das, aber wer es kann, zeigt es gerade jetzt.

Das Prinzip hinter all diesen Sektoren ist identisch: Sie kaufen kein spekulatives Wachstum, sondern fundamentale Substanz und echte Preissetzungsmacht.

Natürlich ist es wichtig, bei der Auswahl der Einzelunternehmen auch auf die Bewertung zu achten, aber es geht häufig nicht um einen reinen Value-Ansatz, sondern eher um eine vernünftige Kombination aus Bewertung und Zukunftsfähigkeit. Denn Qualitätsaktien von Unternehmen, die im Debasement-Szenario gut gegen Geldentwertung funktionieren, sind häufig hoch bewertet.

Gold: Nicht Mode, sondern Fundament

Gold ist keine Modewette. Es ist die älteste Antwort auf Geldentwertung. Die jüngste Entwicklung illustriert dies eindrücklich: Während viel darüber geschrieben wurde, dass Gold als Krisenwährung bei den Marktturbulenzen wegen des Iran-Kriegs nicht funktioniert habe, ist der Investment-Case für Gold im Grunde noch frappierender als vorher: Denn während die Inflation durch die Energiekrise unweigerlich steigen wird, sind den Zentralbanken quasi die Hände gebunden. In den USA fließen bereits jetzt (Stand März 2026) ca. 17-18% der gesamten Bundesausgaben in die Zinszahlungen für die Staatsverschuldung. Steigende Zinsen würden den Anteil unweigerlich nach oben treiben. Ein verzwickter Cocktail, den zusätzlich könnte die Energiekrise die Wirtschaft lähmen und die Einnahmen des Staates reduzieren.

Hinzu kommt, dass Zentralbanken aus China, Indien, Russland und weiteren Schwellenländern, die sich geopolitisch vom US-Dollar emanzipieren wollen, im Stillen weiter Gold kaufen.

Für ein Portfolio empfiehlt sich eine Kombination aus physischem Gold, (oder vollständig besicherter ETC-Struktur) eventuell ergänzt um einen gewissen Anteil von Minenaktien, die als Hebel auf den Gold- oder Silberpreis wirken und aktuell starke operative Cashflows generieren.

Währungen: Nicht alle sind gleich

Jeder sollte in einem volatilen Umfeld einen gewissen Teil seines Vermögens in Liquidität vorhalten, allerdings stellt sich die Frage, welche Währungen dem langfristigen Abwertungsdruck widerstehen können. Sinnvoll sind sicher zum Teil Positionen in Währungen mit glaubwürdiger Fiskaldisziplin und stabilen Institutionen: Das Paradebeispiel ist der Schweizer Franken, der historisch als härteste aller Hauptwährungen gilt. Ergänzt werden kann dies durch Positionen in Währungen, bei denen der jeweilige Staat eine niedrige Verschuldung aufweist. Die norwegische Krone (gestützt durch den staatlichen Ölfonds) und auch einige Schwellenländer sind hierfür Beispiele.

Portfoliokonstruktion: Nicht die Historie überbewerten!

Eine der unterschätzten Herausforderungen im Debasement-Umfeld ist, dass die klassische Portfoliotheorie versagt. Historisch haben sich Aktien häufig gegenläufig zu Anleihen entwickelt, weshalb die Mischung von Aktien und Anleihen sehr lange funktioniert hat. Als die Zinsen von sehr hohen Niveaus in den 1950er und 1960er Jahren bis auf Nullniveaus und sogar negative Werte in den 2010er Jahren fielen, waren Anleihen eine gute und diversifizierende Anlage, weil zur gleichen Zeit die Inflation teilweise hoch, aber stets unterhalb der kurzfristigen Zinssätze lag und somit trotz der fallenden Zinsen keine effektive Währungsabwertung stattfand.

In einem Repressionsszenario aber, wenn Zentralbanken Zinsen künstlich tief halten und gleichzeitig die Inflation steigt oder hoch ist, verlieren Anleihen ihre historische Funktion und fallen synchron mit den Aktienmärkten. Die schützende Korrelation zerbricht. Das ist auch der Grund, warum z. B. sogenannte „Risk-Parity-Strategien“, die hohen Gewichte in Anleihen halten und mit Daten aus einem Umfeld sinkender Zinsen und kontrollierter Inflation optimiert wurden, im heutigen Umfeld nicht mehr funktionieren. Es ist der klassische Fehler zu glauben, dass Zusammenhänge der Vergangenheit ewig in die Zukunft fortgeschrieben werden können.

Genau deshalb genügt es auch nicht, einfach Gold oder gar Bitcoin zu einem bestehenden Portfolio hinzuzufügen. Portfoliokonstruktion im Debasement-Umfeld erfordert eine aktive Steuerung von Korrelationen, Liquiditätsprofilen und Risikobudgets. In Phasen finanzieller Repression entscheidet nicht die Einzelanlage, sondern die Robustheit der Gesamtarchitektur.

Kernerkenntnis: Wer nur Gold kauft, hat nur einen Teil der Antwort

Wer ein Portfolio baut, das systematisch auf Inflation, negative Realzinsen, Währungsabwertung und veränderte Korrelationen reagiert, hat die vollständige Antwort. Das Portfolio ist jedoch keine Konstante, es muss aktiv bewirtschaftet werden, weil sich auch im Debasement-Szenario die Zusammenhänge ändern. Debasement ist somit kein kurzfristiges Modethema, vielmehr wird es Anleger noch viele Jahre begleiten.

Die Portfolioarchitektur: Illustration eines Debasement-Portfolios

Ein Portfolio, das konsequent auf Kaufkrafterhalt ausgerichtet ist, weicht deutlich von einer klassischen Standard-Allokation in 60% Aktien und 40% Staatsanleihen ab. Einer der wichtigsten Bausteine ist sicher die Aktienkomponente.

Die folgende Abbildung zeigt eine stilisierte Zielallokation für ein Debasement-resilientes Portfolio. Sie ist nicht als starre Empfehlung zu verstehen, sondern als Leitrahmen, der je nach Risikobereitschaft, Liquiditätsbedarf und persönlichen Restriktionen angepasst werden muss.

Staatsanleihen oder Liquidität gehören nur für eine Grundbasis in das Portfolio und auch nur mit einer relativ kurzen Laufzeit. Dieser Liquiditätspuffer kann ruhig bis zu 10% betragen und kann bei Bedarf kurzfristig veräußert werden, ohne das signifikante Transaktionskosten anfallen. Taktisch können Teil der Anleihekomponente auch in Fremdwährung gehalten werden, hier findet man teilweise ansprechende Diversifikationspotentiale.

Beispielallokation
Abbildung 4: Beispiel Allokation
Quelle: FOCAM AG, eigene Darstellung, April 2026

Wichtig sind auch Anlagen in Gold oder andere Edelmetalle, die physisch oder über börsengehandelte Rohstofffonds (ETCs) gehalten werden. Darüber hinaus bieten sich ggf. auch andere Rohstoffe an, z.B. Kupfer oder ähnliches.

Bemerkenswert ist, was in diesem Portfolio fehlt: langfristige USD- oder JPY-Staatsanleihen, nominale Sparbriefe, ungesichertes Tagesgeld in Entwertungswährungen.

Geopolitik und Währungswettbewerb: Wenn alle gleichzeitig abwerten

Eine besonders heikle Konstellation entsteht, wenn mehrere große Währungsräume gleichzeitig entwerten. USD, EUR und JPY stehen alle unter strukturellem Schuldendruck. Ein „Wettlauf nach unten“, in dem jede Notenbank versucht, die eigene Währung schwach zu halten, um Exportwettbewerbsfähigkeit und Schuldenabbau zu fördern, ist für Anleger eine besonders schwierige Phase.

In einem solchen Umfeld schützt nur die Diversifikation über Jurisdiktionen hinweg: Sachwerte, die nicht durch staatliche Dekrete entwertet werden können, in verschiedenen Rechtsordnungen gelagert. Physisches Gold in Schweizer Tresoren, Aktien in soliden Rechtssystemen mit Eigentumsschutz, Infrastrukturanlagen mit vertraglich gesicherten Erträgen.

Debasement und die Kunst, reales Vermögen zu erhalten

Debasement ist keine Ausnahme im Finanzsystem, es ist ein strukturelles Grundprinzip, solange Staaten mehr ausgeben als sie einnehmen und Notenbanken die Differenz monetarisieren. Wer das nicht versteht, wendete die falsche Methodik an: Er optimiert Renditen in einer Einheit, die selbst schrumpft. Die entscheidende gedankliche Verschiebung liegt darin, Vermögen nicht in nominalem Geld zu messen, sondern in realer Kaufkraft, denn nur dies zählt am Ende. Portfoliokonstruktion wird damit nicht zur Frage des Gewinnens, sondern des Nicht-Verlierens gegen eine unsichtbare, staatlich sanktionierte Kraft. Wer Debasement versteht, kann sich strukturell dagegen positionieren.

Fazit: Vom Verstehen zum strukturierten Handeln

Der erste Artikel dieser Reihe hat gezeigt, warum Debasement kein abstraktes makroökonomisches Phänomen ist, sondern eine konkrete Gefahr für Portfolios. Dieser zweite Teil zieht die praktischen Konsequenzen:

  • Nominale Anlagen, insbesondere in hoch verschuldeten Währungsräumen wie USD und JPY, sind im Debasement-Umfeld strukturell benachteiligt.
  • Tangible Assets, ausgewählte Aktien mit Preissetzungsmacht, Gold, Rohstoffe und Infrastruktur, bieten langfristigen Schutz vor realem Kaufkraftverlust.
  • Portfolio-Architektur ist entscheidend: Nicht die Einzelanlage, sondern das Zusammenspiel von Korrelationen, Liquidität und Risikobudgets bestimmt die Resilienz.
  • Debasement ist ein Langzeitthema. Eine sukzessive Portfolioanpassung, heute begonnen, ist besser als eine hektische Reaktion, wenn die Entwertung offensichtlich wird.

Lassen Sie uns darüber sprechen

Die FOCAM AG begleitet ihre Mandanten in diesem Prozess mit einem systematischen, regelbasierten Ansatz: Volkswirtschaftliche Veränderungen werden laufend eingeordnet, Risikosignale frühzeitig identifiziert und Portfolios so konstruiert, dass sie auch dann stabil bleiben, wenn klassische Diversifikationsannahmen versagen.

FAQ

Das Bretton-Woods-System war ein internationales Währungssystem, das nach dem Zweiten Weltkrieg etabliert wurde und den US-Dollar an Gold koppelte. Andere Währungen wiederum waren fest an den Dollar gebunden. Dies gab dem globalen Geldsystem eine reale Deckung.

Mit dem Ende der Goldkonvertibilität 1971 unter US-Präsident Nixon war der Übergang zum reinen, ungedeckten Papiergeld vollzogen. Ab diesem Moment konnten Staaten und Notenbanken Geld ohne jede materielle Begrenzung schöpfen. Der Text zeigt die Konsequenz deutlich: 100 US-Dollar aus dem Jahr 1971 besitzen heute lediglich noch eine Kaufkraft von rund 13 Dollar – ein Verfall um 87 % in nur 54 Jahren.

Die Nominalwert-Falle beschreibt die Illusion, dass ein gleichbleibender Kontostand Sicherheit bedeutet. In Wirklichkeit schmilzt der reale Wert des Kapitals systematisch ab, auch wenn die Zahl auf dem Konto unverändert bleibt.

Staatsanleihen, Tagesgeld und Geldmarktfonds sind nominale Anlagen. Ihre Rückzahlung ist in einer festen Geldmenge vereinbart. Im heutigen Umfeld sind viele Staaten strukturell darauf angewiesen,  dass die Zinsen unterhalb der Inflation liegen, was bedeutet dass die Realzinsen negativ sind. Denn so können die Staaten ihre Schuldenlast real abschmelzen. Ein Anleger in nominalen Anlagen unterstützt indirekt genau diesen Enteignungsprozess.

Wer in Nominalen denkt, misst Vermögen in Geldeinheiten und fühlt sich sicher, solange der Kontostand stabil bleibt. Wer dagegen in Waren und Gütern denkt, fragt: Was kann ich mit diesem Geld tatsächlich kaufen?

Dieser Perspektivwechsel ist entscheidend. Bargeld bietet zwar Preisstabilität, unterliegt aber einem stetigen Wertverlust. Sachwerte wie Aktien oder Gold schwanken im Preis, erhalten oder steigern jedoch langfristig ihre Kaufkraft. Der Text beschreibt, dass nominale Anlagen im Debasement-Umfeld strukturell benachteiligt sind, während Sachwerte langfristig schützen. Die Herausforderung dabei: Preisschwankungen psychologisch auszuhalten ist die notwendige Voraussetzung für echten Substanzerhalt.

Der Text nennt drei Sektoren als Paradebeispiele:

  • Energie (Öl, Gas, Strom): Kaum jemand kann darauf verzichten, die Nachfrage ist unelastisch – Preiserhöhungen werden weitgehend akzeptiert.
  • Telekommunikation und Infrastruktur (Mautstraßen, Flughäfen, Versorgungsnetze): Kunden wechseln kaum, die Vermögenswerte sind real und steigen tendenziell mit der Inflation.
  • Lebensmittel und Konsumgüter mit starken Marken: Konsumenten greifen ohne langes Nachdenken zu bekannten Marken, Preiserhöhungen werden weitergegeben.

Das verbindende Prinzip ist dasselbe: kein spekulatives Wachstum, sondern fundamentale Substanz und echte Preissetzungsmacht. Als praktischen Test schlägt der Text vor, den eigenen Alltag zu beobachten. Worüber ärgert man sich, weil es trotz gestiegener Preise keine Alternative gibt? Genau dort findet man die relevanten Unternehmen.

Der Satz warnt davor, Debasement-Schutz auf eine einzelne Anlage zu reduzieren, etwa nur Gold zu kaufen. Das greift zu kurz. Entscheidend ist die Gesamtarchitektur eines Portfolios, das systematisch auf Inflation, negative Realzinsen, Währungsabwertung und veränderte Korrelationen reagiert.

Konkret nennt der Text folgende Bausteine:

  • Ausgewählte Aktien mit Preissetzungsmacht (Qualitätsunternehmen in defensiven Sektoren)
  • Gold und Edelmetalle, physisch oder über vollständig besicherte ETCs, ergänzt um Minenaktien als Hebel
  • Rohstoffe wie Kupfer und Infrastrukturanlagen mit vertraglich gesicherten Erträgen
  • Währungsdiversifikation in stabile Währungen wie den Schweizer Franken oder die norwegische Krone
  • Kurzfristige Liquidität (bis ca. 10 %) als Puffer, möglichst in wertstabilen Währungen

Was im Portfolio bewusst fehlt: langfristige USD- oder JPY-Staatsanleihen, nominale Sparbriefe und ungesichertes Tagesgeld in Entwertungswährungen. Wichtig ist zudem, dass dieses Portfolio kein starres Konstrukt ist. Es muss aktiv bewirtschaftet werden, weil sich auch im Debasement-Szenario die Zusammenhänge laufend ändern.

Der Artikel schließt mit vier konkreten Schlussfolgerungen:

  • Nominale Anlagen in hoch verschuldeten Währungsräumen wie USD und JPY sind im Debasement-Umfeld strukturell benachteiligt und sollten gemieden oder stark reduziert werden.
  • Tangible Assets – ausgewählte Aktien mit Preissetzungsmacht, Gold, Rohstoffe und Infrastruktur – bieten langfristigen Schutz vor realem Kaufkraftverlust.
  • Portfolioarchitektur ist entscheidend: Nicht die Einzelanlage, sondern das Zusammenspiel von Korrelationen, Liquidität und Risikobudgets bestimmt die Resilienz.
  • Debasement ist ein Langzeitthema: Eine sukzessive Portfolioanpassung, heute begonnen, ist weit besser als eine hektische Reaktion, wenn die Entwertung offensichtlich wird.

Stefan Krause
Sprecher des Vorstands der FOCAM AG

Dr. Martin Kolrep
Leiter Asset Management der FOCAM AG

Alle Seiten und Dokumente dieses Berichts stellen weder ein Angebot noch eine Aufforderung zu einem Angebot zum Kauf oder Verkauf irgendeines Wertpapiers oder Vermögenswertes (Aktien, Optionsscheine, Futures, Fonds, Zertifikate, Rentenpapiere, Währungen, Rohstoffe, Immobilien, etc.) dar. Alle Seiten und Dokumente dieses Berichts stellen auch kein Angebot oder eine Aufforderung zu einem Angebot zum Abschluss eines Vertrages über die Anschaffung und Veräußerung von Finanzinstrumenten (im Sinne von § 2 Absatz 5 des WpIG) oder deren Nachweis (Anlagevermittlung), über die Anschaffung und Veräußerung von Finanzinstrumenten im fremden Namen für fremde Rechnung (Abschlussvermittlung), über die Verwaltung einzelner in Finanzinstrumenten angelegter Vermögen für andere mit Entscheidungsspielraum (Finanzportfolioverwaltung, Vermögensverwaltung, Fondsmanagement etc.) sowie ferner über die Finanzanalyse, die Anlageberatung, das Vermögenscontrolling und über die Beratung von Kunden in wirtschaftlichen Fragen und Fragen der strategischen Vermögensaufstellung dar. Gleichfalls beinhalten diese Seiten und Dokumente keine Empfehlung an Sie, solche Geschäfte und Verträge abzuschließen oder Positionen in Wertpapieren und sonstigen Finanzinstrumenten zu kaufen, zu veräußern oder zu halten. Die Informationen dieses Berichts ersetzen niemals die persönliche Beratung seitens Ihres Anlage- oder Steuerberaters. Soweit Sie mit uns keine anderslautende ausdrückliche schriftliche Vereinbarung haben, sind wir nicht als Ihr Finanzberater, Analyst, Finanzportfolioverwalter oder Treuhänder im Hinblick auf die in diesem Bericht beschriebenen Geschäftsarten und Analysen tätig. Jedes Investment in Wertpapiere, Finanzinstrumente und Vermögenswerte gleich welcher Art ist mit Risiken behaftet. Eine Investitionsentscheidung darf nicht auf der Grundlage dieser Seiten und Dokumente erfolgen. Der Herausgeber ist nicht verantwortlich für Konsequenzen, speziell für Verluste oder entgangene Gewinne, die durch die Verwendung der auf diesen Seiten und Dokumenten enthaltenen Daten, Ansichten und Rückschlüsse folgen bzw. folgen können. Dies gilt für die vertragliche und quasi-vertragliche als auch für die deliktische Haftung. Zurückliegende Wert-, Preis- oder Kursentwicklungen geben keine Anhaltspunkte für die zukünftige Entwicklung eines Investments. Der Herausgeber übernimmt keine Gewähr für einen bestimmten Anlageerfolg oder eine bestimmte Wertentwicklung, für entgangene Gewinne oder für steuerliche Folgen von Anlagestrategien und / oder einzelner Finanzinstrumente. Insbesondere übernimmt er auch keine Haftung für Verluste aus allgemeinen und den mit Anlagen verbundenen spezifischen Risiken.

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Die schleichende Geldentwertung

23. April 2026

Vom Erkennen zum Handeln: 
Wie Sie Ihr Portfolio vor dem Kaufkraftverlust schützen!

Im ersten Teil unserer Reihe zu dem Thema „Debasement“ (Januarausgabe 2026 FOCAM Perspektive) haben wir gezeigt, warum steigende Staatsverschuldung, strukturelle Primärdefizite und expansive Geldpolitik langfristig zu Inflation und Geldentwertung führen.

Nun stellt sich die entscheidende Frage: Was bedeutet das konkret für die Portfoliokonstruktion und welche Anlagen schützen wirklich vor dem schleichenden Kaufkraftverlust?

Die Nominalwert-Falle: 
Warum vermeintlich sichere Anlagen gefährlich werden können?

Anleger, die auf die bewährte Sicherheit von Staatsanleihen, Tagesgeld oder Geldmarktfonds setzen, zahlen in Zeiten der Geldentwertung einen hohen Preis. Zwar suggeriert der Kontostand eine absolute Stabilität, doch in Wahrheit schmilzt der reale Wert des Kapitals systematisch ab.

Hintergrund ist aus unserer Sicht die hohe Verschuldung der Staaten: Der US-Dollar (USD) steht für eine Staatsverschuldung von über 120% des BIP, der japanische Yen (JPY) für eine Schuldenquote von rund 260% – die höchste aller Industriestaaten. In beiden Fällen ist das strukturelle Anreizsystem dasselbe: Realzinsen dauerhaft unter null zu halten, um die Schuldenlast real abzuschmelzen. Wer auf USD oder JPY lautende Anleihen hält, finanziert diesen Prozess unwissentlich mit. Da jedoch in vielen Euro-Ländern die Schuldenlast auch nicht wesentlich niedriger ist, gilt die gleiche Tendenz auch für auf Euro lautende Anlagen.

Der Blick in die Vergangenheit und was er über die Zukunft des Geldes verrät

Die Historie des US-Dollars ist ein Lehrstück der schleichenden Enteignung. Ein Gegenwert, der 1913 noch bei vollen 100 Dollar lag, ist heute auf rund 3,60 Dollar massiv gesunken. Wobei dieser Erosionsprozess anfangs noch moderat verlief und in den 1930er Jahren zeitweise gestoppt wurde. Zwischen 1913 und 1971 verlor der US-Dollar in 58 Jahren rund 72% seiner Kaufkraft. Mit dem Ende der Goldkonvertibilität 1971 (Ende des Bretton-Woods Systems) war der Übergang zum reinen, ungedeckten Papiergeld vollzogen. Der weitere Verfall der Kaufkraft nahm seinen Lauf.

Abbildung 1: Entwicklung der Kaufkraft des US-Dollars seit 1913
Quelle: Bureau of Labor Statistics, Federal Reserve Bank St. Louis, FOCAM AG, eigene Darstellung – 3.2026

100 US-Dollar aus dem Jahr 1971 besitzen heute lediglich noch eine Kaufkraft von rund 13 Dollar, ein Verfall um 87% in 54 Jahren. Der Verlauf dieser Entwertung liest sich wie ein Logbuch der modernen Geldpolitik. In den 1970er Jahren trieb die durch Ölkrisen und lockeres Geld ausgelöste Stagflation die Inflation auf bis zu 13,5 Prozent. Zwar konnte die Notenbank ab 1979 mit radikalen Leitzinsen von zeitweise 20 Prozent (Volcker-Disinflation) den Verfall bremsen, doch eine Trendwende blieb aus. Mit der Finanzkrise 2008 begann die Ära der quantitativen Lockerung, die die schleichende Geldentwertung nahtlos fortsetzte. Den steilsten Absturz der jüngeren Geschichte erlebten wir schließlich zwischen 2020 und 2022: Die beispiellose Ausweitung der Geldmenge um 25 Prozent infolge der Corona-Pandemie, verstärkt durch Störungen der globalen Lieferketten, ließ die Inflation auf 9,1 Prozent hochschnellen. Führt man sich vor Augen, dass die USA für den Iran-Krieg neue Schulden von 200 Mrd. US-Dollar aufnehmen, ist schwer vorstellbar, wie ein Ende der Schulden-Dynamik ist Sicht sein soll.

Kaufkraft-USD-1971_1
Abbildung 2: Entwicklung der Kaufkraft des US-Dollars seit 1971
Quelle: Bureau of Labor Statistics, Federal Reserve Bank St. Louis, FOCAM AG, eigene Darstellung – 3.2026

Die psychologische Falle: Nominale Stabilität als Illusion

Der Euro verliert kontinuierlich an Kaufkraft: Während der Nominalwert auf dem Konto gleichbleibt, sinkt der reale Gegenwert in Gütern und Dienstleistungen. Das verdeutlicht den Unterschied zwischen Preis und Wert.

Bargeld bietet Preisstabilität, unterliegt aber einem stetigen Wertverlust. Im Gegensatz dazu schwanken Sachwerte wie Aktien und Gold im Preis, erhalten oder steigern jedoch langfristig ihre Kaufkraft. Wer Vermögen sichern will, muss lernen, Preisschwankungen auszuhalten. Sie sind die notwendige Voraussetzung für echten Substanzerhalt.

Das Problem dabei: Der schwankende Preis wirkt für vielen Menschen abschreckend, so dass im ungünstigen Fall der Wille, die Substanz zu erhalten, in Krisenzeiten zusammenbricht.

Vom Denken in Nominalen zum Denken in Waren und Gütern

Daraus folgt eine klare Konsequenz für die Portfoliostruktur: Nominale Anlagen, also solche, deren Rückzahlung in einer festen Geldmenge vereinbart ist, sind im Debasement-Umfeld strukturell benachteiligt. Sachwerte hingegen, die einen realen Gegenwert verkörpern, erhalten die Kaufkraft langfristig. Welche Sachwerte für wen geeignet sich, kann jedoch sehr individuell sein. Die folgende Übersicht zeigt die Grundunterscheidung:

Abbildung 3: Nominale Anlagen vs. Tangible Assets – Einordnung im Debasement-Umfeld
Quelle: FOCAM AG, eigene Darstellung

Sachwerte im Fokus: Die Aktienauswahl im Umfeld finanzieller Repression

Der Aktienmarkt wird oft pauschal als sicherer Hafen gegen Inflation gefeiert, doch diese Annahme ist gefährlich. Die wahre Trennlinie im Entwertungsumfeld verläuft nicht zwischen Anlageklassen, sondern zwischen Unternehmen mit und ohne Preissetzungsmacht. Nur wer in der Lage ist, steigende Produktions- und Materialkosten nahtlos an seine Kunden weiterzugeben, schützt das investierte Kapital. Dabei wird häufig von „Qualitätsaktien“ gesprochen. Wir wollen das genauer definieren: Es sind Unternehmen, die sich durch starke Marken, überdurchschnittliche Margen und eine unelastische Nachfrage auszeichnen. Gerade jetzt kann man diese Unternehmen gut identifizieren. Es sind Unternehmen, die ihre höheren Kosten auch in der jetzigen Zeit in höhere Preise übersetzen können, ohne dass ihnen die Kunden weglaufen.

Wer nach diesen Unternehmen sucht, muss nur seinen eigenen Alltag aufmerksam betrachten. Die einfachste Frage lautet: Worüber wundere oder gar ärgere ich mich, wenn ich Rechnungen bezahle, die gegenüber dem letzten Quartal oder dem letzten Jahr, im Preis gestiegen sind?

Diese Beobachtung ist kein Zufall. Denn wer Preise dauerhaft erhöhen kann, ohne dass die Kunden abwandern, besitzt genau die Preissetzungsmacht, die Investoren in Zeiten von Geldentwertung suchen. Hier einige Beispiele:

Energie: Benzin, Heizöl, Strom, kaum jemand kann darauf verzichten, und kaum jemand freut sich über die Abrechnung. Energieunternehmen, insbesondere im Bereich Öl, Gas und Infrastruktur, gehören zu den klassischen Debasement-Profiteuren. Sie verkaufen eine Ressource, die endlich und deren Nachfrage ist in der Regel unelastisch ist.

Telekommunikation und Infrastruktur: Telekommunikationsunternehmen mit starker Marktstellung und ausgebautem Netz profitieren von einer Kundenbasis, die kaum wechselt. Ähnliches gilt für Infrastrukturbetreiber – Mautstraßen, Flughäfen, Versorgungsnetze. Sie besitzen reale Vermögenswerte, deren Wert tendenziell mit der Inflation steigt. Selbst die beste künstliche Intelligenz wird nicht den Wunsch ersetzen, in den Urlaub zu fliegen.

Lebensmittel und Konsumgüter des täglichen Bedarfs: Der Wocheneinkauf wird teurer, die Produkte bleiben dieselben. Unternehmen, die Marken besitzen, nach denen Konsumenten greifen, ohne lange nachzudenken, können Preiserhöhungen weitergeben. Der entscheidende Unterschied liegt in der Marke. Nicht jeder Hersteller kann das, aber wer es kann, zeigt es gerade jetzt.

Das Prinzip hinter all diesen Sektoren ist identisch: Sie kaufen kein spekulatives Wachstum, sondern fundamentale Substanz und echte Preissetzungsmacht.

Natürlich ist es wichtig, bei der Auswahl der Einzelunternehmen auch auf die Bewertung zu achten, aber es geht häufig nicht um einen reinen Value-Ansatz, sondern eher um eine vernünftige Kombination aus Bewertung und Zukunftsfähigkeit. Denn Qualitätsaktien von Unternehmen, die im Debasement-Szenario gut gegen Geldentwertung funktionieren, sind häufig hoch bewertet.

Gold: Nicht Mode, sondern Fundament

Gold ist keine Modewette. Es ist die älteste Antwort auf Geldentwertung. Die jüngste Entwicklung illustriert dies eindrücklich: Während viel darüber geschrieben wurde, dass Gold als Krisenwährung bei den Marktturbulenzen wegen des Iran-Kriegs nicht funktioniert habe, ist der Investment-Case für Gold im Grunde noch frappierender als vorher: Denn während die Inflation durch die Energiekrise unweigerlich steigen wird, sind den Zentralbanken quasi die Hände gebunden. In den USA fließen bereits jetzt (Stand März 2026) ca. 17-18% der gesamten Bundesausgaben in die Zinszahlungen für die Staatsverschuldung. Steigende Zinsen würden den Anteil unweigerlich nach oben treiben. Ein verzwickter Cocktail, den zusätzlich könnte die Energiekrise die Wirtschaft lähmen und die Einnahmen des Staates reduzieren.

Hinzu kommt, dass Zentralbanken aus China, Indien, Russland und weiteren Schwellenländern, die sich geopolitisch vom US-Dollar emanzipieren wollen, im Stillen weiter Gold kaufen.

Für ein Portfolio empfiehlt sich eine Kombination aus physischem Gold, (oder vollständig besicherter ETC-Struktur) eventuell ergänzt um einen gewissen Anteil von Minenaktien, die als Hebel auf den Gold- oder Silberpreis wirken und aktuell starke operative Cashflows generieren.

Währungen: Nicht alle sind gleich

Jeder sollte in einem volatilen Umfeld einen gewissen Teil seines Vermögens in Liquidität vorhalten, allerdings stellt sich die Frage, welche Währungen dem langfristigen Abwertungsdruck widerstehen können. Sinnvoll sind sicher zum Teil Positionen in Währungen mit glaubwürdiger Fiskaldisziplin und stabilen Institutionen: Das Paradebeispiel ist der Schweizer Franken, der historisch als härteste aller Hauptwährungen gilt. Ergänzt werden kann dies durch Positionen in Währungen, bei denen der jeweilige Staat eine niedrige Verschuldung aufweist. Die norwegische Krone (gestützt durch den staatlichen Ölfonds) und auch einige Schwellenländer sind hierfür Beispiele.

Portfoliokonstruktion: Nicht die Historie überbewerten!

Eine der unterschätzten Herausforderungen im Debasement-Umfeld ist, dass die klassische Portfoliotheorie versagt. Historisch haben sich Aktien häufig gegenläufig zu Anleihen entwickelt, weshalb die Mischung von Aktien und Anleihen sehr lange funktioniert hat. Als die Zinsen von sehr hohen Niveaus in den 1950er und 1960er Jahren bis auf Nullniveaus und sogar negative Werte in den 2010er Jahren fielen, waren Anleihen eine gute und diversifizierende Anlage, weil zur gleichen Zeit die Inflation teilweise hoch, aber stets unterhalb der kurzfristigen Zinssätze lag und somit trotz der fallenden Zinsen keine effektive Währungsabwertung stattfand.

In einem Repressionsszenario aber, wenn Zentralbanken Zinsen künstlich tief halten und gleichzeitig die Inflation steigt oder hoch ist, verlieren Anleihen ihre historische Funktion und fallen synchron mit den Aktienmärkten. Die schützende Korrelation zerbricht. Das ist auch der Grund, warum z. B. sogenannte „Risk-Parity-Strategien“, die hohen Gewichte in Anleihen halten und mit Daten aus einem Umfeld sinkender Zinsen und kontrollierter Inflation optimiert wurden, im heutigen Umfeld nicht mehr funktionieren. Es ist der klassische Fehler zu glauben, dass Zusammenhänge der Vergangenheit ewig in die Zukunft fortgeschrieben werden können.

Genau deshalb genügt es auch nicht, einfach Gold oder gar Bitcoin zu einem bestehenden Portfolio hinzuzufügen. Portfoliokonstruktion im Debasement-Umfeld erfordert eine aktive Steuerung von Korrelationen, Liquiditätsprofilen und Risikobudgets. In Phasen finanzieller Repression entscheidet nicht die Einzelanlage, sondern die Robustheit der Gesamtarchitektur.

Kernerkenntnis: Wer nur Gold kauft, hat nur einen Teil der Antwort

Wer ein Portfolio baut, das systematisch auf Inflation, negative Realzinsen, Währungsabwertung und veränderte Korrelationen reagiert, hat die vollständige Antwort. Das Portfolio ist jedoch keine Konstante, es muss aktiv bewirtschaftet werden, weil sich auch im Debasement-Szenario die Zusammenhänge ändern. Debasement ist somit kein kurzfristiges Modethema, vielmehr wird es Anleger noch viele Jahre begleiten.

Die Portfolioarchitektur: Illustration eines Debasement-Portfolios

Ein Portfolio, das konsequent auf Kaufkrafterhalt ausgerichtet ist, weicht deutlich von einer klassischen Standard-Allokation in 60% Aktien und 40% Staatsanleihen ab. Einer der wichtigsten Bausteine ist sicher die Aktienkomponente.

Die folgende Abbildung zeigt eine stilisierte Zielallokation für ein Debasement-resilientes Portfolio. Sie ist nicht als starre Empfehlung zu verstehen, sondern als Leitrahmen, der je nach Risikobereitschaft, Liquiditätsbedarf und persönlichen Restriktionen angepasst werden muss.

Staatsanleihen oder Liquidität gehören nur für eine Grundbasis in das Portfolio und auch nur mit einer relativ kurzen Laufzeit. Dieser Liquiditätspuffer kann ruhig bis zu 10% betragen und kann bei Bedarf kurzfristig veräußert werden, ohne das signifikante Transaktionskosten anfallen. Taktisch können Teil der Anleihekomponente auch in Fremdwährung gehalten werden, hier findet man teilweise ansprechende Diversifikationspotentiale.

Beispielallokation
Abbildung 4: Beispiel Allokation
Quelle: FOCAM AG, eigene Darstellung, April 2026

Wichtig sind auch Anlagen in Gold oder andere Edelmetalle, die physisch oder über börsengehandelte Rohstofffonds (ETCs) gehalten werden. Darüber hinaus bieten sich ggf. auch andere Rohstoffe an, z.B. Kupfer oder ähnliches.

Bemerkenswert ist, was in diesem Portfolio fehlt: langfristige USD- oder JPY-Staatsanleihen, nominale Sparbriefe, ungesichertes Tagesgeld in Entwertungswährungen.

Geopolitik und Währungswettbewerb: Wenn alle gleichzeitig abwerten

Eine besonders heikle Konstellation entsteht, wenn mehrere große Währungsräume gleichzeitig entwerten. USD, EUR und JPY stehen alle unter strukturellem Schuldendruck. Ein „Wettlauf nach unten“, in dem jede Notenbank versucht, die eigene Währung schwach zu halten, um Exportwettbewerbsfähigkeit und Schuldenabbau zu fördern, ist für Anleger eine besonders schwierige Phase.

In einem solchen Umfeld schützt nur die Diversifikation über Jurisdiktionen hinweg: Sachwerte, die nicht durch staatliche Dekrete entwertet werden können, in verschiedenen Rechtsordnungen gelagert. Physisches Gold in Schweizer Tresoren, Aktien in soliden Rechtssystemen mit Eigentumsschutz, Infrastrukturanlagen mit vertraglich gesicherten Erträgen.

Debasement und die Kunst, reales Vermögen zu erhalten

Debasement ist keine Ausnahme im Finanzsystem, es ist ein strukturelles Grundprinzip, solange Staaten mehr ausgeben als sie einnehmen und Notenbanken die Differenz monetarisieren. Wer das nicht versteht, wendete die falsche Methodik an: Er optimiert Renditen in einer Einheit, die selbst schrumpft. Die entscheidende gedankliche Verschiebung liegt darin, Vermögen nicht in nominalem Geld zu messen, sondern in realer Kaufkraft, denn nur dies zählt am Ende. Portfoliokonstruktion wird damit nicht zur Frage des Gewinnens, sondern des Nicht-Verlierens gegen eine unsichtbare, staatlich sanktionierte Kraft. Wer Debasement versteht, kann sich strukturell dagegen positionieren.

Fazit: Vom Verstehen zum strukturierten Handeln

Der erste Artikel dieser Reihe hat gezeigt, warum Debasement kein abstraktes makroökonomisches Phänomen ist, sondern eine konkrete Gefahr für Portfolios. Dieser zweite Teil zieht die praktischen Konsequenzen:

  • Nominale Anlagen, insbesondere in hoch verschuldeten Währungsräumen wie USD und JPY, sind im Debasement-Umfeld strukturell benachteiligt.
  • Tangible Assets, ausgewählte Aktien mit Preissetzungsmacht, Gold, Rohstoffe und Infrastruktur, bieten langfristigen Schutz vor realem Kaufkraftverlust.
  • Portfolio-Architektur ist entscheidend: Nicht die Einzelanlage, sondern das Zusammenspiel von Korrelationen, Liquidität und Risikobudgets bestimmt die Resilienz.
  • Debasement ist ein Langzeitthema. Eine sukzessive Portfolioanpassung, heute begonnen, ist besser als eine hektische Reaktion, wenn die Entwertung offensichtlich wird.

Lassen Sie uns darüber sprechen

Die FOCAM AG begleitet ihre Mandanten in diesem Prozess mit einem systematischen, regelbasierten Ansatz: Volkswirtschaftliche Veränderungen werden laufend eingeordnet, Risikosignale frühzeitig identifiziert und Portfolios so konstruiert, dass sie auch dann stabil bleiben, wenn klassische Diversifikationsannahmen versagen.

FAQ

Das Bretton-Woods-System war ein internationales Währungssystem, das nach dem Zweiten Weltkrieg etabliert wurde und den US-Dollar an Gold koppelte. Andere Währungen wiederum waren fest an den Dollar gebunden. Dies gab dem globalen Geldsystem eine reale Deckung.

Mit dem Ende der Goldkonvertibilität 1971 unter US-Präsident Nixon war der Übergang zum reinen, ungedeckten Papiergeld vollzogen. Ab diesem Moment konnten Staaten und Notenbanken Geld ohne jede materielle Begrenzung schöpfen. Der Text zeigt die Konsequenz deutlich: 100 US-Dollar aus dem Jahr 1971 besitzen heute lediglich noch eine Kaufkraft von rund 13 Dollar – ein Verfall um 87 % in nur 54 Jahren.

Die Nominalwert-Falle beschreibt die Illusion, dass ein gleichbleibender Kontostand Sicherheit bedeutet. In Wirklichkeit schmilzt der reale Wert des Kapitals systematisch ab, auch wenn die Zahl auf dem Konto unverändert bleibt.

Staatsanleihen, Tagesgeld und Geldmarktfonds sind nominale Anlagen. Ihre Rückzahlung ist in einer festen Geldmenge vereinbart. Im heutigen Umfeld sind viele Staaten strukturell darauf angewiesen,  dass die Zinsen unterhalb der Inflation liegen, was bedeutet dass die Realzinsen negativ sind. Denn so können die Staaten ihre Schuldenlast real abschmelzen. Ein Anleger in nominalen Anlagen unterstützt indirekt genau diesen Enteignungsprozess.

Wer in Nominalen denkt, misst Vermögen in Geldeinheiten und fühlt sich sicher, solange der Kontostand stabil bleibt. Wer dagegen in Waren und Gütern denkt, fragt: Was kann ich mit diesem Geld tatsächlich kaufen?

Dieser Perspektivwechsel ist entscheidend. Bargeld bietet zwar Preisstabilität, unterliegt aber einem stetigen Wertverlust. Sachwerte wie Aktien oder Gold schwanken im Preis, erhalten oder steigern jedoch langfristig ihre Kaufkraft. Der Text beschreibt, dass nominale Anlagen im Debasement-Umfeld strukturell benachteiligt sind, während Sachwerte langfristig schützen. Die Herausforderung dabei: Preisschwankungen psychologisch auszuhalten ist die notwendige Voraussetzung für echten Substanzerhalt.

Der Text nennt drei Sektoren als Paradebeispiele:

  • Energie (Öl, Gas, Strom): Kaum jemand kann darauf verzichten, die Nachfrage ist unelastisch – Preiserhöhungen werden weitgehend akzeptiert.
  • Telekommunikation und Infrastruktur (Mautstraßen, Flughäfen, Versorgungsnetze): Kunden wechseln kaum, die Vermögenswerte sind real und steigen tendenziell mit der Inflation.
  • Lebensmittel und Konsumgüter mit starken Marken: Konsumenten greifen ohne langes Nachdenken zu bekannten Marken, Preiserhöhungen werden weitergegeben.

Das verbindende Prinzip ist dasselbe: kein spekulatives Wachstum, sondern fundamentale Substanz und echte Preissetzungsmacht. Als praktischen Test schlägt der Text vor, den eigenen Alltag zu beobachten. Worüber ärgert man sich, weil es trotz gestiegener Preise keine Alternative gibt? Genau dort findet man die relevanten Unternehmen.

Der Satz warnt davor, Debasement-Schutz auf eine einzelne Anlage zu reduzieren, etwa nur Gold zu kaufen. Das greift zu kurz. Entscheidend ist die Gesamtarchitektur eines Portfolios, das systematisch auf Inflation, negative Realzinsen, Währungsabwertung und veränderte Korrelationen reagiert.

Konkret nennt der Text folgende Bausteine:

  • Ausgewählte Aktien mit Preissetzungsmacht (Qualitätsunternehmen in defensiven Sektoren)
  • Gold und Edelmetalle, physisch oder über vollständig besicherte ETCs, ergänzt um Minenaktien als Hebel
  • Rohstoffe wie Kupfer und Infrastrukturanlagen mit vertraglich gesicherten Erträgen
  • Währungsdiversifikation in stabile Währungen wie den Schweizer Franken oder die norwegische Krone
  • Kurzfristige Liquidität (bis ca. 10 %) als Puffer, möglichst in wertstabilen Währungen

Was im Portfolio bewusst fehlt: langfristige USD- oder JPY-Staatsanleihen, nominale Sparbriefe und ungesichertes Tagesgeld in Entwertungswährungen. Wichtig ist zudem, dass dieses Portfolio kein starres Konstrukt ist. Es muss aktiv bewirtschaftet werden, weil sich auch im Debasement-Szenario die Zusammenhänge laufend ändern.

Der Artikel schließt mit vier konkreten Schlussfolgerungen:

  • Nominale Anlagen in hoch verschuldeten Währungsräumen wie USD und JPY sind im Debasement-Umfeld strukturell benachteiligt und sollten gemieden oder stark reduziert werden.
  • Tangible Assets – ausgewählte Aktien mit Preissetzungsmacht, Gold, Rohstoffe und Infrastruktur – bieten langfristigen Schutz vor realem Kaufkraftverlust.
  • Portfolioarchitektur ist entscheidend: Nicht die Einzelanlage, sondern das Zusammenspiel von Korrelationen, Liquidität und Risikobudgets bestimmt die Resilienz.
  • Debasement ist ein Langzeitthema: Eine sukzessive Portfolioanpassung, heute begonnen, ist weit besser als eine hektische Reaktion, wenn die Entwertung offensichtlich wird.

Stefan Krause
Sprecher des Vorstands der FOCAM AG

Dr. Martin Kolrep
Leiter Asset Management der FOCAM AG

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