„Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich“. Dieses Zitat, das dem amerikanischen Schriftsteller Mark Twain zugeschrieben wird, beschreibt die Erkenntnis, dass sich historische Ereignisse zwar selten exakt wiederholen, aber oft ähnliche Muster, Strukturen oder Parallelen aufweisen.
Aktuell gilt dies für die Politik des amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Ähnlich wie wenige Tage nach dem von ihm am 2. April 2025 ausgerufenen “Liberation Day“, an dem er seine globalen Handelspartner mit drastischen Zollandrohungen konfrontiert hatte, machte Trump auch heute unter dem Druck der Kapitalmärkte einen Rückzieher. Mit seiner Anweisung an das Pentagon, jegliche Angriffe auf iranische Kraftwerke und die iranische Energieinfrastruktur für fünf Tage auszusetzen, ist Trump unseres Erachtens vor dem massiven Anstieg der Kapitalmarktrenditen in den USA zurückgeschreckt. Damit hat sich das Akronym „TACO“ („Trump always chickens out“; sinngemäß: Trump macht immer einen Rückzieher) einmal mehr bestätigt.
Vorangegangen war infolge des Iran-kriegsbedingten Hochschießen des Ölpreises ein Anstieg der Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen von 3,93 % auf 4,45 % und zweijähriger US-Staatsanleihen von 3,37 % auf 4,01 %. Insbesondere die Ankündigung Trumps, bei Nichtfreigabe der Straße von Hormus für den Schifffahrtsverkehr die Öl- und Gasinfrastruktur im Iran massiv anzugreifen, hatte nochmaligen Aufwärtsdruck bei den Anleiherenditen ausgelöst.
Die Befürchtung, dass sich dieser Trend bei einer weiteren Eskalation des Iran-Kriegs fortsetzen oder sogar beschleunigen würde, hat den US-Präsidenten vor dem Hintergrund seiner angespannten fiskalpolitischen Lage offenbar zum Einlenken bewegt. Denn in dem Maße, wie in den USA die Benzinpreise zuletzt gestiegen sind, hat sich die Stimmung gegenüber der Politik des US-Präsidenten weiter eingetrübt. Besonders brisant ist dies vor dem Hintergrund der am 3. November anstehenden Zwischenwahlen zum US-Kongress, in denen die Republikaner nicht nur die Mehrheit im Repräsentantenhaus, sondern auch im Senat zu verlieren drohen.
Die Reaktion der Finanzmärkte auf Trumps Strategieschwenk folgte prompt: Der Ölpreis fiel in einer ersten Reaktion um bis zu 15 %, der Goldpreis stabilisierte sich, die Renditen der US-Treasuries sanken und die Aktienmärkte drehten ins Plus.
Selbstverständlich ist es zu früh, ein Ende der Eskalationen und eine Rückkehr zu den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die vor dem Iran Krieg geherrscht hatten, auszurufen. Selbst wenn es entgegen den bisherigen Erwartungen zu einer politischen Verhandlungslösung mit dem Iran käme, würden die bisher entstandenen Schäden an der Energieinfrastruktur im Nahen Osten eine rasche Rückkehr der Öl- und Gaspreise auf die Vorkriegsniveaus verhindern.
Entscheidend ist aus unserer Sicht aber, dass dieser erste Schritt zur Deeskalation eine Veränderung in den Erwartungen der Kapitalanleger hervorrufen dürfte. Hatten Sentiment- und Positionierungsindikatoren zuletzt signalisiert, dass die Investoren sich auf ein längeres, von höherer Inflation und abnehmender Wachstumsdynamik geprägtes Negativszenario eingestellt hatten, so gibt es jetzt wieder einen Hoffnungsschimmer, dass es zu einer Entspannung zwischen den verhärteten Fronten kommen könnte.
Wir hatten seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs keine wesentlichen Veränderungen an der Quotensteuerung und Titelselektion in den Portfolios vorgenommen, da wir auf eine ausgewogene Branchenstruktur gesetzt hatten und in den besonders gefährdeten Branchen (u.a. Automobil, Basischemie, aber auch Banken) nicht investiert sind. Zudem hielten wir es einmal mehr für wahrscheinlich, dass die Macht des Faktischen (hier: steigende Anleiherenditen) Trump wie bereits nach dem Liberation Day zu einem Einlenken zwingen würde.
Vor diesem Hintergrund sehen wir aktuell zunehmende Chancen für eine Bodenbildung an den Aktienbörsen und werden die sehr volatile Entwicklung bei Einzelwerten nutzen, um Anpassungen in den Portfolios zu überprüfen.
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